Versace – blaues Seidenkleid nach burda MMM

Ich gestehe hiermit diese Stoffkaufsünde. Und ich bereue… garnichts ;)! Eine Unterbrechung in meinem kontinuierlichen Stoffbergabbau, der – da muss ich mich mal loben – bisher ganz gut funktioniert hat. Aber, ihr müsst wissen: es ist Seide von Versace! Er fasst sich unglaublich schön an! Es gibt einen unmittelbaren Anlass für den Stoff in Form eines Kleides für den Partyabend zum Junggesellinnenabschied einer lieben Freundin! Und…  heruntergesetzt war er auch noch!! Ich hatte sofort eine Vorstellung davon, wie das Kleid aussehen würde,  habe das Kleid schon auf der Haut gespürt!! Da habe ich nicht lange gefackelt und die letzten 2,30m mitgenommen und stehe voll und ganz hinter meiner Sünde :D. Ich weiß,  dass ihr mich versteht ;).

Vom Stoffladen nach Hause, in die Waschmaschine (Seidenwaschgang versteht sich!), ALLE Schnitthefte nach DEM Schnitt durchsucht, um Mitternacht auf die Wäscheleine gehängt und am nächsten Abend nach der Arbeit hab ich das edle Stück gleich zugeschnitten – ehe doch noch irgendwelche Hemmungen auftauchen, den Schatz so unmittelbar zu verarbeiten.

Die beiden darauf folgenden Abende habe ich das Kleid aus meiner Stoffladen-Vision genäht. Dann noch geschwind den Schrank durchwühlt nach etwas Passendem zum überziehen, da es derzeit noch knackig kalt ist – zu kalt für dünne Seidenkleidchen. Welch ein glücklicher Zufall, dass der Blazer aus dem Spanienurlaub im letzten Jahr zu dem Kleid passt, wie dafür gemacht!! Gefaltet und in den Koffer gepackt, denn am nächsten Tag war auch schon der Junggesellinnenabschied :D! Ratz fatz ist es gegangen – Stoff am Dienstag gekauft, Kleid am Samstagabend ausgeführt!!

Zum Junggesellinnenabschied gab es übrigens noch ein DIY für Haarschmuck aus Organza und Perlen!

Aber damit noch nicht genug. Es war ja erst 23 Uhr am Freitag Abend ;). Warum nicht noch schnell eine passende Umhängetasche nähen?!? Nicht lange überlegen und los geht es. Eine gute Stunde später lag auch meine neue schwarze Lederclutch im Koffer und ich völlig kaputt im Bett ;D.

Der Samstag war ein voller Erfolg für uns Mädels,  wir hatten einen richtig schönen Tag – das neue Kleid am Abend hat die Party bestens bestanden.

Nun atmen wir einmal tief durch und wenden uns den Details zu.

Ich habe für das Kleid den Schnitt 122 aus der Burda 7/2011 verwendet. Er traf genau meine Vision von einem lässig schicken Kleid, das ich im Sommer ganz leger mit Sandalen tragen kann.

Wie üblich bei Kleidern habe ich für das Oberteil eine Konfektionsgröße kleiner gewählt als für das Rockteil. Die Taille habe ich 2 cm tiefer versetzt und damit das Oberteil um 2 cm verlängert. Die Länge des Rockteils ist gleich geblieben. Ich hatte zur Sicherheit 8cm mehr Länge am Saum gelassen falls mir das Kleid nach Originalschnitt zu kurz ist. Das habe ich beim Säumen aber wieder weggenommen. Mir gefällt die Länge so.

Mit dem Ausschnitt habe ich mich etwas schwer getan – selbstverschuldet. Anders als im Schnitt vorgesehen, wollte ich die Ausschnittkanten an Hals und Armen verstürzt einfassen, sodass man von außen das Schrägband nicht sieht. Am Hals und an den Armen hat das sehr gut geklappt. Aber der Ausschnittschlitz wird einfach nur im Schnittteil an der vorderen Mitte eingeschnitten. Daher fehlte mir natürlich die Nahtzugabe, um das Schrägband wie geplant mit der Ausschnittkante zu verstürzen. Es ist trotzdem ganz gut geworden. Der Ausschnitt ist dadurch offenherziger als er im Schnitt gedacht war. Innen sieht es am Ausschnittspitz nicht so professionell aus.

Die Seitentaschen unterstreichen die Lässigkeit dieses Schnitts, was mit dem edlen Material einen herrlichen Kontrast ergibt.

In der Taille wird ein Tunnel untergenäht und ein Gummiband eingezogen. Das Aufnähen des Tunnels fand ich die größte Herausforderung. Denn er wird von Rechts genäht während unter dem Stoff unsichtbar der Stoffstreifen für den Tunnel liegt. Nur die Stecknadeln zeigen wo sich der schmale Streifen befindet. Am Ende soll der Tunnel zum Einen mit den beiden Nähren vollständig erfasst sein, zum Anderen sollen die beiden Nähte parallel verlaufen und dazwischen Platz für das Gummiband lassen. Mit meinem Ergebnis bin ich nicht 100%ig zufrieden. Die Nähte sind nicht immer perfekt parallel und von Links sieht es nicht ganz nach Versace aus, auch wenn der Tunnel keine Lücken hat. Beim Gedanken, den Tunnel von Links aufzusteppen, habe ich befürchtet, dass ich mich zu sehr am Tunnelstreifen orientiere und die Parallelität meine Nähte extrem darunter leidet. Habt ihr irgendwelche Tipps wie man das professionell verarbeitet?

Kurz hatte ich schon überlegt, auf den Tunnel ganz zu verzichten,  und die Taille mit zwei Smoknähten zu raffen. Ich habe mich dann aber nicht an dieses Experiment gewagt.

Den Schnitt finde ich jedenfalls sehr empfehlenswert und werde ihn definitiv nochmal nähen für ein weiteres Sommerkleid – dann mit entschärfterem Ausschnitt. Einziger Nachteil: Der Stoffverbrauch ist durch die vielen Schrägbänder relativ groß. Egal, wenn das Ergebnis überzeugt ;).

Einen wunderschönen frühlingshaften MeMadeMittwoch wünsche ich Euch allen!
Vielen Dank an meinen geduldigen Liebsten, der nach der Arbeit kurz vor Sonnenuntergang noch gefühlt hunderte Fotos von mir macht.

19 Gedanken zu „Versace – blaues Seidenkleid nach burda MMM

  1. Wirklich ein Stoff-Glücksgriff und ein tolles Outfit!
    Und nein – ich hasse ebenfalls „blind“nähen und harre gespannt weiterer Tipps…
    Liebe Grüße,
    Sandra

  2. Bei einem so lässig schicken Endergebnis warum sollte man da schlechtes Gewissen wegen dem spontanen Stoffkauf haben. Wie man Tunnnel jetzt am besten annäht, habe ich jetzt auch noch nicht so richtig drauf.
    Lg Sabine

  3. Leger und chic! Ich weiß ja nicht, wie flutschig der Stoff ist, aber vielleicht hätte ich beim Tunnelstreifen mit einer Pappschablone gearbeitet, um genau parallele Nahtzugaben umzubügeln, an denen man sich beim Aufnähen von links orientieren kann. Regina

    1. Liebe Regina, danke Dir! Auch ganz lieben Dank für den Tipp mit der Pappschablone. Das werde ich versuchen!
      Liebe Grüße
      Sandra

  4. Schaut gut aus; gratuliere: alle Schikanen haben sich mM gelohnt.
    Bin Dir aber auch sehr dankbar fuer Deinen Tipp (+ Link dazu) bzgl. Deiner Tasche. Dies so, da ich kuerzlich ein Vinyl ‚geschlachtet‘ habe und dabei hochgradig ueberrascht und entzueckt entdeckte, dass es aus mehr echtem Leder statt Vinyl bestand.
    Danke noch einmal; f. Beides (Kleid und Tasche)
    LG, Gerlinde

    1. Dankeschön!! Freut mich sehr, dass dich meine Tasche inspiriert hat! Das trifft sich ja wirklich sehr gut, dass du eben erst ein ungeahntes Ledervorkommen entdeckt hast :).
      Liebe Grüße
      Sandra

  5. Hi Sandra, dein Kleid schaut klasse aus, und dann hast du es noch so schnell genäht! Das würde ich nie schaffen… Stoffe kann man nie genug haben…
    LG Amely

    1. Hallo Amely!
      Danke für deine lieben Komplimente!
      Nur mit einer harten Deadline und einer glasklaren Vision gelingt es mir, so konzentriert ein Projekt durchzuziehen :). Sonst ist es oft eher ein wochenlanges Trauerspiel :-).
      Liebe Grüße
      Sandra

  6. Liebe Sandra,
    was für ein schönes Kleid! Ich habe vor einiger Zeit auch ein Seidenschnäppchen gemacht, allerdings ohne konkrete Idee, und nun liegt es schon eine Weile hier herum, weil ich mich nicht recht für einen Schnitt entscheiden konnte. Aber Du hast mich jetzt richtig motiviert, am Wochenende auch so ein chic-lässiges Kleid zu nähen. Danke für die Inspiration!
    Schöne Grüße
    Christine

    1. Oh, das freut mich aber sehr, liebe Christine! Gut, dass das Wetter am Wochenende genau richtig ist zum Nähen :)! Ich schicke dir die besten Wünsche für Dein Wochenendprojekt!
      Liebe Grüße
      Sandra

  7. Ja, habe versehentlichen Riiiesenfund gemacht, indem ich einen technisch nicht mehr funktionierenden Buero-Sessel ’skalpierte‘ und dabei Vinyl, PLUS eine Mehrheit von Echtleder entdeckte.
    Dies war nicht nur aufgrund des unerwarteten Echtlederfundes toll, sondern auch aus der Sicht, DAmit den Aufbau eines pompoes-eleganten Buerosessels von innen kennen zu lernen: Hochtung von nun an!
    Materialmaessig bekaeme ich doch glatt mind. einen Rock oder sogar Jacke SAMT Tasche heraus; die ‚existierenden Steppungen nutzen‘ ist die eigentliche Kunst.

  8. Sehr schön und stimmig dein Outfit! Das Kleid ist schön lässig und luftig geworden und ich finde die Seide als Kontrast auch super. Bei dem Streifen hilft glaube ich nur sehr genaues Bügeln und nähen von links, so mach ich sowas zumindest.
    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Dankeschön, liebe Katharina, für die lieben Komplimente.
      Nächstes Mal werde ich mit einer Kartonschablone exakt bügeln.
      Liebste Grüße
      Sandra

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